C wie Christus

17.01.2021

Sind wir alle verbunden mit dem kosmischen Christus, wie es der bekannte Franziskaner Richard Rohr ausdrückt? Wie könnte damit gemeint sein?

Christus ist nicht der Nachname von Jesus von Nazareth. Christos war die griechische Übersetzung des hebräischen Messias (der Gesalbte) in die Sprache des neuen Testamentes. Christus ist die Übertragung von Christos in Latein, die Sprache Roms. Der Messias war der gesalbte Gottes. Im Judentum wurden die Könige und Priester feierlich gesalbt und so von Gott beglaubigt. In den Jahrhunderten vor Jesus von Nazareth war die Erwartung auf einen zukünftigen Gesalbten entstanden. Auf diesen zukünftigen Gesalbten waren viele Hoffnungen gerichtet: Er würde ein würdiger Sohn Davids sein, aus dessen königlicher Abstammungslinie kommen und würde dem Judentum zu seiner verdienten Grösse verhelfen, er würde ein besonderer Hohepriester sein, der das Volk oder sogar die ganze Menschheit zum Glauben an Gott zurückführen würde.

Christus ist also ein Titel, Ausdruck einer besonderen Erwählung, Berufung, Bevollmächtigung durch Gott. Ein Titel, der Jesus von Nazareth schon von den frühen Christen gegeben wurde. Ähnliche Titel für diesen Jesus waren: «Logos», das Wort, das von Anfang an war und aus dem alles wurde. «Alpha und Omega», der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Damit wurde ausgedrückt: Der Christus ist Ursprung und Ziel, schlichtweg von allem. Der Apostel Paulus formulierte es so: Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge (Röm. 11,36).

Diese Sicht des Christus in Jesus von Nazareth übersteigt, die kühnsten Erwartungen des Judentums. - und wurde von diesem auch nicht akzeptiert. Die frühen Christen verstanden sich als Glieder dieses kosmischen Christus, der in Jesus von Nazareth menschliche Gestalt angenommen hatte. Er der Kopf, die Menschen wie verbundene Glieder dieses ursprünglichen Wortes, des Christus, des Alpha und Omega, der schon vor Grundlegung der Welt in Gott war. Auf den hin alles geschaffen wurde. In dem und durch den wir leben, auch du und ich.

Durch dieses kosmische «Christusprinzip» sind wir alle mit allem verbunden. Denn alles ist von ihm und zu ihm hin geschaffen. - Schöne Gedanken, doch prägen sie unseren Alltag kaum. Ausser in Momenten der Präsenz, des Innehaltens, des Staunens, des Gebetes. Wir können diese Verbundenheit mit Gott und miteinander bewusst annehmen und kultivieren. Wie ein Garten zur Blüte gebracht werden kann, in dem wir ihn pflegen, ihn wässern, uns Zeit für ihn nehmen.

Darin besteht für mich das Ziel meditativen Gebetes, eigentlich jeder Form des Gebetes: Innehalten und bewusstwerden, loslassen, vertrauen. Eine Voraussetzung schaffen für inneres Wachstum. Später wachsen aus dem neuen Empfinden, eine neue Haltung, neue Taten ein neues Leben.

Beten oder Meditieren verändert nicht Gott, sondern den Betenden und sein Leben.

Buchempfehlung zur Vertiefung: Alles trägt seinen Namen, die Wiederentdeckung des universalen Christus. Richard Rohr. Gütersloher Verlagshaus 2019. ISBN-10 : 3579014811